Chloe Wise: Extrasensory

Die Kulturstiftung Basel H. Geiger | KBH.G präsentiert vom 12. Juni bis 6. September 2026 mit «Extrasensory» die erste grosse institutionelle Ausstellung von Chloe Wise in der Schweiz. Kuratiert wird die Ausstellung von Samuel Leuenberger. 

Die Ausstellung

Die in New York lebende Künstlerin Chloe Wise wurde 1990 in Montreal geboren und arbeitet multidisziplinär mit Malerei, Skulptur, Video und Installation. Für «Extrasensory» hat sie ihr bislang umfangreichstes Filmprojekt entwickelt. Es ist in eine gross angelegte immersive Installation eingebettet und eröffnet den Besucher*innen einen vielschichtigen Zugang zu Fragen der Wahrnehmung, der Bildproduktion und der kulturellen Deutung. Die Ausstellung knüpft an Wises langjährige Beschäftigung mit Bildern, Symbolen und gesellschaftlichen Codes an und führt diese in einem neuen räumlichen und filmischen Format weiter.

Wahrnehmung als aktiver Prozess

Filmshot EXTRASENSORY – Chloe Wise, Kulturstiftung Basel H. Geiger | KBH.G, 2026

Filmshot aus PsyFi*, Extrasensory – Chloe Wise, Kulturstiftung Basel H. Geiger | KBH.G, 2026. © Logan White

Im Zentrum von «Extrasensory» steht die Frage, wie Bedeutung entsteht. Chloe Wise interessiert sich dafür, wie Sinneserfahrung, Sprache, Geschichte und kulturelle Erwartungen unsere Wahrnehmung prägen. Wahrnehmung erscheint in der Ausstellung nicht als neutrale Aufnahme von Realität, sondern als aktiver Prozess, in dem Bilder, Zeichen und Erzählungen eine zentrale Rolle spielen.

Dabei richtet Wise den Blick auf Momente, in denen rationale Erklärungen an ihre Grenzen stossen. Seit jeher greifen Gesellschaften auf Mythologie, Religion und spekulative Erzählformen zurück, um dem Unbekannten eine Form zu geben. In «Extrasensory» nimmt die Künstlerin diese Traditionen auf und übersetzt sie in eine zeitgenössische Bildsprache. Figuren, die an Engel, übernatürliche Wesen oder technologische Erscheinungen erinnern, tauchen auf, entziehen sich jedoch eindeutigen Zuschreibungen.

Zwischen Mehrdeutigkeit und Sinneserfahrung

Filmshot EXTRASENSORY – Chloe Wise, Kulturstiftung Basel H. Geiger | KBH.G, 2026

Filmshot aus PsyFi*, Extrasensory – Chloe Wise, Kulturstiftung Basel H. Geiger | KBH.G, 2026. © Logan White

Die Ausstellung lädt dazu ein, Unsicherheit nicht vorschnell aufzulösen. Statt klare Antworten zu geben, verweilt «Extrasensory» in jenen Momenten, in denen Wahrnehmung, Sprache und Deutung ins Stocken geraten. Gerade diese Offenheit macht den Reiz der Ausstellung aus: Sie schafft einen Raum, in dem verschiedene Lesarten nebeneinander bestehen können.

Kurator Samuel Leuenberger versteht die auftretenden Figuren als kulturelle Denkfiguren für Begegnungen mit dem Unbekannten. In einer Gegenwart, die häufig nach Eindeutigkeit verlangt, setzt «Extrasensory» auf Ambivalenz, Sinnlichkeit und die Kraft des nicht abschliessend Erklärbaren.

Ein immersives Filmprojekt

Herzstück der Ausstellung ist ein Filmprojekt, das auf drei grossen Leinwänden gezeigt wird. Bewegte Bilder lassen eine filmische Umgebung entstehen, die sich stetig verändert. Besucher*innen bewegen sich nicht einfach durch einen Ausstellungsraum, sondern tauchen in ein vielschichtiges Zusammenspiel aus Bild, Erzählung und Atmosphäre ein.

Das filmische Projekt bildet den Ausgangspunkt für eine installative Erfahrung, in der sich Wahrnehmung und Raum gegenseitig beeinflussen. Die gross angelegte Präsentation macht «Extrasensory» zu einer Ausstellung, die nicht nur betrachtet, sondern sinnlich erfahren werden kann.

Künstlerin Chloe Wise

Chloe Wise. © KBH.G

Chloe Wise wurde 1990 in Montreal, Kanada, geboren und lebt und arbeitet heute in New York. Sie studierte an der Concordia University in Montreal und schloss dort mit einem Bachelor of Fine Arts ab. Ihre künstlerische Praxis umfasst Malerei, Skulptur, Video und Installation.

Ein zentrales Interesse ihrer Arbeit gilt der Geschichte des Porträts und der Frage, wie Vorstellungen von Identität entstehen. Dabei untersucht sie insbesondere das Zusammenspiel von Konsum, Körperbildern und Bildproduktion. Mit Humor und Ironie greift Wise kunsthistorische Bildtraditionen auf und hinterfragt zugleich Begehrensstrukturen rund um Nahrung, Körper und Repräsentation.

Bekannt ist sie unter anderem für sorgfältig handbemalte Abgüsse von Lebensmitteln, die zu irritierenden skulpturalen Objekten zusammengefügt werden. Diese Arbeiten bewegen sich zwischen Dauerhaftigkeit und Vergänglichkeit, Fiktion und Realität.

Zu ihren jüngsten Einzelausstellungen zählen «Myth Information» bei Almine Rech in New York, «Told A Vision» im Rahmen von Art Basel Parcours in Basel, «In the Loveliness of Perfect Deeds» bei Blouin Division in Montréal, «Spite Unseen» in Genf sowie eine Ausstellung im Heart Herning Museum of Contemporary Art in Dänemark. Ihre Arbeiten waren ausserdem in Gruppenausstellungen unter anderem im Centre Pompidou-Metz, im Kunstverein Bielefeld, im LACMA und im Andy Warhol Museum zu sehen.

Kurator Samuel Leuenberger

Samuel Leuenberger. © KBH.G

Samuel Leuenberger ist ein unabhängiger Kurator und Kulturproduzent. Er ist Gründer von SALTS, einem gemeinnützigen Ausstellungsraum in Birsfelden und Bennwil (Schweiz), sowie Mentor am Institut Kunst Gender Natur (HGK) in Basel. Zuvor war er an der Kunsthalle Zürich, bei Christie’s in Zürich und in der Stephen Friedman Gallery in London tätig. 

Er hat an zahlreichen internationalen Ausstellungen und Programmen mitgewirkt, darunter der Parcours-Sektor der Art Basel (2016–2023) sowie das Globus Public Art Project in Zusammenarbeit mit der Fondation Beyeler (2022–2025). Weitere Kooperationen umfassen Centro Párraga (Murcia), Misk Art Institute (Riad), Centre Pasquart (Biel), Salon Suisse–Pro Helvetia (Venedig), Les Urbaines (Lausanne) und 14 Rooms (Basel). 

Zu seinen jüngsten Projekten zählen die Kuratierung der 10. Ausgabe der Biennale Gherdëina (Dolomiten, Italien) sowie des Ausstellungszyklus 2026–2027 von Plataforma, einem neuen Ausstellungs- und Residenzprogramm in Guadalajara (Mexiko). Leuenberger gab kürzlich das Überblicksbuch über Basler Kunstinstitutionen mit dem Titel «ABC Basel» heraus, erschienen bei Mousse (2025), und ist Co-Host des Podcasts «This is Basel». Zudem ist er Kurator der Ausstellung «Extrasensory» von Chloe Wise in der KBH.G.

Coming soon: Out of Place – Out of Time

Mariana Cook. © KBH.G

20. November 2026 bis 14. Februar 2027

In dieser Ausstellung widmet sich die international renommierte Fotokünstlerin Mariana Cook den Findlingen – mächtigen Steinen, die über Jahrtausende von Gletschern über Kontinente getragen wurden. Als stille Zeugen der Geschichte stehen sie für Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft und werden in Cooks Fotografien zu eindrucksvollen visuellen Erzählungen.

Bekannt wurde Cook vor allem durch ihre sensiblen Porträts bedeutender Persönlichkeiten aus Kunst, Politik und Literatur, darunter Jorge Luis Borges, Sonia Rykiel sowie Michelle und Barack Obama. Hier richtet sie ihren Blick von den Menschen auf die Landschaft und eröffnet eine kontemplative Perspektive auf Zeit, Erinnerung und Präsenz.

Ergänzt wird die Ausstellung durch einen Film, der Einblicke in Cooks künstlerische Arbeitsweise sowie ihren Zugang zu Motiv, Prozess und Wahrnehmung gibt. Kuratiert wird die Ausstellung von Beda Achermann.

Kulturstiftung Basel H. Geiger | KBH.G

Kulturstiftung Basel H. Geiger | KBH.G

Zwei bis drei thematisch unterschiedliche Ausstellungen jährlich stossen einen aktiven Dialog zwischen Kulturschaffenden und Besucher*innen an. © Kulturstiftung Basel H. Geiger | KBH.G

Die Kulturstiftung Basel H. Geiger | KBH.G wurde 2018 von der Philanthropin Sibylle Piermattei-Geiger gegründet. Benannt ist sie nach ihrem Grossvater Hermann Geiger, einem Schweizer Apotheker und Unternehmer.Ziel der Stiftung ist es, in Basel einen unabhängigen Raum für Kunst zu schaffen, der ausserhalb etablierter Institutionen neuen kreativen Freiraum bietet.

Mit kostenfrei zugänglichen Ausstellungen und kostenlosen Katalogen möchte die Stiftung ein breites Publikum ansprechen und zur Auseinandersetzung mit Kunst und Gesellschaft anregen – ganz im Geiste ihrer Gründerin. Auch zu «Extrasensory» erscheint ein Künstlerbuch in deutscher und englischer Sprache mit Beiträgen aus Wissenschaft, Theorie und künstlerischer Praxis, publiziert bei Hatje Cantz.

«Kunst und Kultur sollen für alle frei sein.» 
Direktor Raphael Suter über den Wunsch von Sibylle Piermattei-Geiger

Die Ausstellungsräume befinden sich in einer ehemaligen Industriehalle an der Spitalstrasse 18 in Basel. Der Umbau durch Christ & Gantenbein bewahrte den industriellen Charme, und die Lage nahe Rhein, Universität und Universitätsspital macht die Stiftung gut erreichbar.

Die Personen hinter der Stiftung

KBH.G

Sibylle Piermattei-Geiger, Stifterin KBH.G

Die Kulturstiftung Basel H. Geiger | KBH.G wurde 2018 von Sibylle Piermattei-Geiger (1930–2020) und ihrem Ehemann Rocco Piermattei gegründet. Die kulturbegeisterte Stifterin, die ein bewegtes Leben als Kostüm- und Bühnenbildnerin, Künstlerin und Kosmopolitin führte, setzte sich zeitlebens für den freien Zugang zur Kunst ein. Ermöglicht durch ein Erbe aus dem Jahr 2004, engagierte sich das Paar bereits 2009 mit der Gründung der Fondazione Culturale Hermann Geiger im toskanischen Cecina, wo jährlich mehrere Ausstellungen mit freiem Eintritt und kostenlosen Katalogen stattfinden. 2018 beschlossen die beiden, ihr philanthropisches Engagement nach Basel zu bringen. Sibylle Piermattei-Geiger erlebte die Eröffnung der Stiftung leider nicht mehr; sie verstarb 2020 im Alter von 90 Jahren.

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Raphael Suter, Direktor KBH.G

Der kunst- und kulturaffine Sohn eines Architekten aus Sursee studierte in Basel Klassische Archäologie, Ägyptologie und Kunstgeschichte. Bereits als Student schrieb er für die Basler Zeitung und war dort von 1991 bis 2003 als Redaktor im Ressort Basel tätig. 2003 wechselte er zu Radio Basilisk, wo er zunächst als Redaktionsleiter und später als Programmleiter arbeitete. 2009 kehrte er zur Basler Zeitung zurück – zuerst als stellvertretender Chefredaktor, danach als Leiter des Ressorts Basel-Stadt und ab 2014 als Leiter der Kulturredaktion. Seit 2019 steht er als Direktor an der Spitze der Kulturstiftung Basel H. Geiger | KBH.G und gestaltet das Basler Kulturleben mit innovativen Ausstellungen mit.

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In Zusammenarbeit mit der Kulturstiftung Basel H. Geiger | KBH.G