Zwischen Hühnerstall und Haute Cuisine 

Vom Campingplatz-Grill bis ins Finale bei «The Taste»: Cyrill Baumann kocht sich mit Intuition, Neugier und Bodenständigkeit nach oben und prägt heute die Karte im Ufer7. 

Valérie Ziegler, nuage

Es ist ein grauer Frühlingstag, als wir den Küchenchef vom Ufer7 besuchen. Was Cyrill Baumann wohl spontan aus Bärlauch, Birnen und Pilzen zaubern würde? Der 29-Jährige muss keine Sekunde überlegen: «Den Bärlauch würde ich als Öl einsetzen. Eine Art Tarte Tatin fände ich mega spannend – mit Pilzen, Birnen und Bärlauchöl», sagt er. «Die Kombination aus süss und salzig finde ich sowieso immer reizvoll – zusammen mit Fleisch erst recht.»

Cyrills Kreativität wartet nur darauf, auf den Tisch zu kommen. In der grössten Koch-Casting-Show im deutschsprachigen Raum, The Taste, musste er mit jeweils nur einem Löffel seines Gerichts überzeugen und schaffte es damit 2025 bis ins Finale.

Angemeldet hat er sich als langjähriger Fan eher zufällig: «If you never try, you never know.» Ein Motto, das er einst von einem Reise-Guide aufgeschnappt hat und das ihn bis heute begleitet.

«Es war grossartig, von Koryphäen der Kochwelt direktes Feedback zu erhalten.» Cyrill Baumann

Mut bewies er auch beim Casting: Als erstes Gericht servierte er eine Kombination aus Wolfsbarsch, Rhabarber und Holunder Beurre Blanc. «Es war grossartig, von Koryphäen der Kochwelt direktes Feedback zu erhalten.»

Grenzenloser Kosmos

Gekocht hat der Riehener schon immer gerne. «Vor allem auch gegessen», schmunzelt er. «Der Raum für Kulinarik ist für mich grenzenlos.»

«Der Raum für Kulinarik ist für mich grenzenlos.» Cyrill Baumann

Mit seiner Familie reiste er früher oft nach Griechenland und Spanien. Die Vielfalt der Küchen faszinierte ihn schon damals – selbst auf dem Campingplatz: «Sonntags kam jeweils ein spezielles Stück Fleisch auf den Grill», erinnert er sich. Auch Familienfeiern waren stets mit gutem Essen verbunden. Rückblickend gibt er zu, kulinarisch verwöhnt worden zu sein.

Dass er Koch werden wollte, war deshalb früh klar. «Ich hatte zwar kurz eine Phase, in der ich mich für den Beruf des Chemikers interessierte», erzählt er. «Irgendwie wollte ich als Kind unbedingt mal bei Roche arbeiten – wieso auch immer.»

Im zarten Alter von 19 Jahren war er zum ersten Mal Küchenchef. Und zwar im Restaurant Viertelkreis, wo er acht Jahre lang wirkte. Drei Sommersaisons verbrachte er zudem in einem touristischen Restaurant im kroatischen Split. «Eine mega Erfahrung, die unglaublich Spass gemacht hat!»

Fremde Einflüsse, regional umgesetzt

Privat führen ihn seine Reisen heute oft nach Asien – nach Vietnam, Thailand, Singapur, Indien. Und das nicht zuletzt aus kulinarischen Gründen: «Neben den geschmacklichen Offenbarungen faszinieren mich vor allem die Techniken und der Umgang mit für mich neuen Zutaten.» Dieses Jahr stehen Japan und Südkorea auf dem Plan.

«Neben den geschmacklichen Offenbarungen faszinieren mich vor allem die Techniken und der Umgang mit für mich neuen Zutaten.» Cyrill Baumann

Auch beruflich sucht Cyrill ständig neue Herausforderungen. Nach «The Taste» ist der Druck spürbar gestiegen – was er jedoch als «mega angenehm» empfindet: «Es ist toll, wenn die Aufmerksamkeit auf unser Restaurant gelenkt wird. Das gibt uns die Chance, uns zu beweisen und weiterzuentwickeln.»

Vor Cyrill gab es im Ufer 7 beispielsweise kein Menü. Für ihn lag ein Siebengänger – passend zum Namen – auf der Hand. Heute entscheiden sich bis zu 40 Prozent der Gäste dafür. «Das freut mich enorm und gibt mir Selbstvertrauen. Es gibt nichts Schöneres als Gäste, die sich bewusst auf unsere Küche einlassen.»

«Es gibt nichts Schöneres als Gäste, die sich bewusst auf unsere Küche einlassen.» Cyrill Baumann

Das Menü wechselt alle zehn Wochen und entsteht stets im Team: «Mein Sous-Chef Nicolas ist mir enorm wichtig. Wir haben schon im Viertelkreis zusammengearbeitet. Für mich sind wir ein unzertrennliches Team. Wir fordern uns gegenseitig, und genau das schätze ich sehr.»

Cyrill Baumann

Cyrill Baumann schätzt die Zusammenarbeit im Team. © Basel Tourismus, Oz Jacob Tabib

Regionalität und Saisonalität stehen dabei im Zentrum – ebenso wie Nachhaltigkeit. «Gestern war ich an einer Weiterbildung unserer Partner-Metzgerei Jenzer», erzählt er. «Dabei ging es um das ganze Tier: Das Filet macht nur etwa zwei Prozent aus. Umso wichtiger ist es, sich mit den restlichen 98 Prozent zu beschäftigen.»

«Das Filet macht nur etwa zwei Prozent aus. Umso wichtiger ist es, sich mit den restlichen 98 Prozent zu beschäftigen.» Cyrill Baumann

Im Vergleich zu vielen anderen Küchen zeichnet sich jene im Ufer7 durch eine besondere Harmonie aus: «Der respektvolle Umgang im Team macht uns aus. Wir teilen die gleichen Werte und verfolgen dasselbe Ziel.»

Hühnerstall und Wurst-Käse-Salat

Privat findet Cyrill Ausgleich in der Natur. Sein Garten – inklusive Hühnerstall – bedeutet ihm viel: «Ich liebe es, den Vögeln zuzuhören oder den Stall auszumisten!»

Auch zuhause mag er es einfach: «Ich bin ein grosser Fan von Wurst-Käse-Salat, handgemachter Pasta, Ofengemüse oder Eierspeisen. Ausserdem liebe ich die Frühstückskultur – ein feines Zmorge mit Granola ist für mich der perfekte Start in den Tag.»

Diese Bodenständigkeit prägt ihn bis heute: «Solange ich glücklich bin, ist alles gut.» Und doch träumt auch er von der Selbstständigkeit, und von Punkten: «Ich vergleiche das gern mit Tennis: Als Spieler willst du einmal in Wimbledon stehen – als Koch irgendwann bei den Besten mitspielen.»

Cyrill Baumann

Cyrill Baumann ist Küchenchef im Restaurant Ufer7 in Basel. Er verantwortet das kulinarische Konzept und prägt gemeinsam mit seinem Team das gastronomische Angebot direkt am Rhein. Mit Fokus auf saisonale Zutaten und zeitgemässe Küche gestaltet er das Ufer7 als Ort für genussvolle Momente. 

ufer7.ch

Kooperation mit Basel Happens

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