Toru Wada – Ohne Grenzenlosigkeit geht nichts!
Valérie Ziegler, nuage
«Für mich gibt es ganz viele Aspekte der Architektur», erzählt Toru Wada, nachdem er einen Schluck von seinem Espresso trinkt, «Architektur ist Kultur.» Und sein persönliches Ziel ist es, mit Architektur die beiden Kulturen aus Japan und der Schweiz zu verbinden.
Während des Konomi Festivals erhielt man mit Toru beispielsweise einen Einblick in die japanische Architektur und genoss gleichzeitig eine Bentobox. Die interessierten Gäste seien längst nicht nur Architekt*innen gewesen. In der von Herzog & de Meuron neu gestalteten Zigarrenlounge des Grand Hotel Les Trois Rois bot er ausserdem ein Shōchū-Tasting an. Toru ist nicht nur Fan des japanischen Destillats – «Auch wenn Sake wesentlich weniger stark ist, bin ich schon nach nur einem Glas davon kaputt», lacht er –, sondern auch der erste japanische Shōchū-Sommelier in Europa.
«Mir geht es darum, die Architektur erlebbar zu machen – beispielsweise in Kombination mit Gastronomie.» Toru Wada
«Mir geht es darum, die Architektur erlebbar zu machen – beispielsweise in Kombination mit Gastronomie», so der 39-Jährige, «Denn Architektur ist weit mehr, als nur Pläne zu zeichnen und Baustellen zu besuchen.»
Toru ist ausserdem zuständig für die Architekturführungen von Vitra. Mit diversen Offices in Japan empfängt der Hersteller von Wohn- und Büromöbeln immer wieder japanische Gäste in Weil am Rhein. Und da ist der Architekt, der nicht nur Japanisch und Deutsch, sondern auch Französisch, Englisch und Italienisch spricht, der perfekte Host.
Vitra Design Museum @ Vitra
Toru Wada zu Besuch auf dem Vitra Campus © Basel Tourismus, Lisanne Vreeke
Toru Wada @ Lisanne Vreeke Photography
Toru Wada © Basel Tourismus, Lisanne Vreeke
Toru Wada @ Lisanne Vreeke Photography
Toru Wada @ Lisanne Vreeke Photography
«Ich habe viel Bewunderung für das weltoffene Basler Familienunternehmen. Der Vitra Campus ist für mich ein Schmelzpunkt grossartiger Architektur.» Toru Wada
«Ich habe viel Bewunderung für das weltoffene Basler Familienunternehmen. Der Vitra Campus ist für mich ein Schmelzpunkt grossartiger Architektur», erzählt Toru, «Es gibt mehrere internationale Architekten, die erst nach ihrem Auftrag von Vitra so richtig erfolgreich und berühmt wurden.» Obwohl sie einen unglaublich guten Riecher zu scheinen haben: «Die Vitra-Familie ist und bleibt sehr bescheiden, was ich extrem bewundere und schätze!»
Wenn Toru Wada selbst Besuch aus dem Ausland hat, zeigt er ihnen nicht nur den Vitra Campus und die zahlreichen Basler Museen. «Der Campus ist aber auf jeden Fall nicht nur für Design-Fans einen Ausflug wert. Es gibt dort sehr viel zu erleben – und auch der Rutschturm für Kinder ist cool», strahlt der Vater von 15-jährigen Zwillingen.
Sein Lieblingsgebäude sei auf jeden Fall die Kirche St. Anton beim Kannenfeldplatz. «Sie bietet eine komplett andere Perspektive auf die Architektur – schliesslich ist es die erste Betonkirche der Schweiz.» Grosser Fan ist Toru auch vom Goetheanum in Dornach und vom Schaulager in Münchenstein.
Goetheanum in Dornach © Goetheanum
Schaulager in Münchenstein © Standortmarketing
Und das beste japanische Restaurant in Basel? «Miake!» Toru war an der Konzepterstellung des 2020 eröffneten Izakayas beteiligt. Er ist aber auch immer wieder gerne im Rhyschänzli oder in der Markthalle zum Essen. «An alle, denen es dort zu laut ist: Geh mal nach Tokio – da ist die Markthalle Pipifax dagegen», lacht er.
Restaurant Miake Izakaya © okaeri GmbH
Markthalle in Basel © Schweiz Tourismus / Lorenz Richard
Vom Concrete zum grünen Jungle
Die japanische Mentalität wird immer wieder mit der schweizerischen verglichen. Auch Toru Wada sieht Parallelen: «Die Schweizer*innen sind, im Vergleich zu anderen Nationen, ziemlich strukturiert. Das ist in Japan genau gleich.» Doch im Gegenzug zu Japan sähe es in der Schweiz von Region zu Region anders aus. Toru selbst ist in Genf aufgewachsen und hat in Lausanne studiert: «Dort weht eher der französische Wind», schmunzelt er.
In Japan hat er nur zwei Jahre gelebt. «Ich war für mein drittes Studienjahr in Tokio. Ein japanischer Erasmus-Student in Japan», lacht er über sich selbst. «Es war mir ein grosses Anliegen, die Kultur vor Ort kennenzulernen.» Und das hat er zu 101 Prozent gemacht. Nach dem Erasmus-Jahr ist er für ein Praktikum geblieben. «Tagsüber war ich in einem Architekturbüro tätig, abends arbeitete ich in einem Izakaya und bin ins Nachtleben eingetaucht.»
Auch wenn es Ähnlichkeiten gibt zwischen der japanischen und der schweizerischen Kultur: «Die Architektur in Japan ist eine ganz andere als die in der Schweiz.»
Toru Wada beim Garden House des japanischen Architekten Tsuyoshi Tane auf dem Vitra Campus © Basel Tourismus, Lisanne Vreeke
Während im kompakten Tokio hauptsächlich mit viel Beton in die Höhe gebaut wird, kommen in Basel zahlreiche Materialien zum Einsatz – von Holz bis Recycling. «Die Schweiz ist da im Vergleich zu Japan sehr weit entwickelt.»
Es war eine Stelle von Herzog & de Meuron, die ihn 2011 nach Basel gezogen hat. Geblieben ist er bis heute. Und er hat auch nicht vor, zu gehen. Gemeinsam mit seiner Frau und den gemeinsamen Buben lebt er im aufstrebenden Stadtteil St. Johann.
Was er hier besonders liebt? «Das Zusammenspiel zwischen der Stadt und der Natur.»
Das Leben in Tokio mache natürlich Spass. «Wenn man Familie hat, ist es in Basel aber echt angenehm. Der perfekte Ort, um Wurzeln zu schlagen!»
«Wenn man Familie hat, ist es in Basel aber echt angenehm. Der perfekte Ort, um Wurzeln zu schlagen!» Toru Wada
Toru empfindet die Nordwestschweizer Rheinstadt als sehr ausgeglichen. Und das nicht nur in kultureller Hinsicht: «Ich liebe es, dass man in nur fünf Minuten in Frankreich oder Deutschland ist.»
Packt ihn die Sehnsucht nach Japan dann doch mal, fühlt er sich im japanischen Geschäft hōmu (Japanisch für «Heim») wortwörtlich zuhause.
Ob es etwas gibt, das er in Basel vermisst? «Japanisches Essen!»
Bewusste Grenzüberschreitung
Inspirieren lässt er sich für sein Schaffen von beiden Kulturen: «Die Mischung macht es für mich aus!»
Derzeit arbeitet er an einem Umbauprojekt für die japanische Firma Toray, die einen Umzug im Basler Dreispitz plant. Viele seiner aktuellen Projekte werden in Japan umgesetzt.
In Basel hatte er besonders viel Freude am Roche-Turm (Bau 1). Oder als Art Director für japanische Kunstgalerien an der VOLTA Art Fairs während der Art Basel. «Für mich sind alle Projekte gleich wichtig», so Toru, «Und ich bin sehr glücklich, sagen zu können, dass ich grundsätzlich immer mit netten Menschen zusammenarbeite.»
Roche-Türme © Basel Tourismus
Art Basel © Schweiz Tourimus, Christian Meixner
Toru Wada’s Design wirkt grenzenlos. Doch was bedeutet grenzenloses Design? «Für mich geht es um Diversität; um die Vermischung verschiedener Kulturen, Methoden und Nationalitäten. Eine Mischung, die im besten Fall neue Lösungen und Innovationen liefert.» Grenzenlosigkeit ist ihm extrem wichtig. «Ich versuche meinen Blick, ähnlich wie ein Vogel, weit offen zu halten und mich von allen Seiten und Kulturen inspirieren zu lassen. Ohne diese Grenzenlosigkeit kann ich mir ein Arbeiten nicht vorstellen. Genauso wie ich mir ein Leben ohne Architektur, Design, Kunst und Kultur nicht vorstellen könnte», fasst er zusammen, «Das wäre ja todlangweilig!»
Kooperation mit Basel Happens
Sie möchten weitere spannende Persönlichkeiten Basels kennenlernen? Auf dem Instagram-Kanal «Basel Happens» stellt unsere Journalistin Valérie Ziegler seit 2017 ihr Lieblingsbasel vor. Einige dieser Beiträge sind in Zusammenarbeit mit der Fotografin Lisanne Vreeke entstanden, die auch Toru Wada porträtierte. Entdecken Sie inspirierende und individuelle Orte, Charaktere und Projekte!