Die neunte Kunst: Comickünstler José Muñoz im Cartoonmuseum Basel
Hosts: Sophie Mercedes Lardon & Samuel Leuenberger
Produktion: Tonton GmbH
Eine Kooperation mit dem Cartoonmuseum Basel – Zentrum für narrative Kunst
In der Podcastfolge spricht Anette Gehrig über die aktuelle Ausstellung des Hauses: die Retrospektive «Broken Voices» zum argentinischen Comickünstler José Muñoz, die vom 28. März bis 21. Juni 2026 zu sehen ist.
Neben Einblicken in diese umfassende Werkschau widmet sich die Folge auch der Bedeutung des Comics in der Gegenwart und richtet den Blick zudem auf den diesjährigen Comic-Wettbewerb im Rahmen der Fantasy Basel, der Nachwuchstalente fördert und die Vielfalt der Szene sichtbar macht.
Sophie und Samuel mit Anette Gehrig (Mitte). © Basel Tourismus, Pati Grabowicz
Anette Gehrig gibt einen Einblick in «Broken Voices». © Basel Tourismus, Pati Grabowicz
Ein Meister des Schwarz-Weiss
Der argentinische Comiczeichner José Muñoz (*1942) ist bekannt für seinen kompromisslosen Stil: harte Schwarz-Weiss-Kontraste, keine Grautöne, keine Schraffuren. Seine Bildwelten bewegen sich zwischen Realismus und Karikatur und erzeugen eine eindringliche Spannung zwischen Traum und Wirklichkeit.
José Muñoz. © Cartoonmuseum Basel
Die Retrospektive im Cartoonmuseum Basel zeigt Originalzeichnungen, Skizzen, Illustrationen sowie freie Arbeiten in Farbe und gibt einen umfassenden Einblick in das Schaffen eines der bedeutendsten Comickünstler unserer Zeit.
Alack Sinner und die Neuerfindung des Crime-Comics
Gemeinsam mit dem argentinischen Autor Carlos Sampayo (*1943), den er in den 1970er-Jahren nach seiner Emigration aus politischen Gründen in Barcelona traf, schuf José Muñoz die Serie um den Privatdetektiv Alack Sinner.
«Muñoz & Sampayo waren ein geniales Duo.» Anette Gehrig
Ihre Zusammenarbeit ist geprägt von gemeinsamen Erfahrungen im Exil und der Auseinandersetzung mit politischen und gesellschaftlichen Umbrüchen – Themen, die sich auch in ihrem Werk widerspiegeln.
José Muñoz erweckte gemeinsam mit Carlos Sampayo die Figur des Privatdetektiven Alack Sinner zum Leben. © Cartoonmuseum Basel
Die Figur Alack Sinner entspricht zunächst dem klassischen Bild des Antihelden: desillusioniert, melancholisch und einsam. Doch die Geschichten gehen weit über das Genre hinaus und verbinden Kriminalhandlungen mit gesellschaftskritischen Themen wie Rassismus, Korruption und politischen Konflikten.
Ein vielseitiges Werk
Neben «Alack Sinner» entstanden weitere Arbeiten wie «Joe’s Bar» oder «Sophie Going South», die sich mit Themen wie Rassismus, Kriminalität und sozialen Spannungen auseinandersetzen.
Spätere Werke zeigen eine stärkere Hinwendung zu Muñoz’ Herkunft: Geschichten über die Pampa, Buenos Aires, Tango und Jazz. Besonders prägend ist auch seine künstlerische Auseinandersetzung mit Persönlichkeiten wie Billie Holiday.
«Er hat sich auch sehr viel mit Musik und Tanz beschäftigt.» Anette Gehrig
Jazzmusiker. © Cartoonmuseum Basel
«Patio de Tango» (freie Zeichnung). © Cartoonmuseum Basel
Sängerin Billie Holiday. © Cartoonmuseum Basel
Tanzszene. © Cartoonmuseum Basel
Muñoz versteht sich nicht nur als Comiczeichner, sondern auch als Maler. In Serien wie «Anima Mundi» entstehen expressive Porträts und Landschaften, die Erinnerungen, gesellschaftliche Entwicklungen und persönliche Eindrücke verarbeiten.
Landschaftsdarstellung. © Cartoonmuseum Basel
Für sein Werk wurde er mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Grand Prix des Comicfestivals in Angoulême.
Cartoonmuseum Basel
Cartoonmuseum Basel – Zentrum für narrative Kunst, Aussenansicht.
Das Cartoonmuseum Basel ist das einzige Museum der Schweiz, das sich ganz der satirischen Kunst widmet – von der klassischen Karikatur bis zum Comic. In wechselnden Ausstellungen greift es gesellschaftliche und politische Themen auf und zeigt die Vielfalt der gezeichneten Erzählkunst, von historischen Positionen bis hin zu zeitgenössischen Arbeiten.
Untergebracht in einer Kombination aus spätgotischem Altbau und einem modernen Erweiterungsbau von Herzog & de Meuron, verbindet das Museum architektonisch Tradition und Gegenwart – ganz im Sinne seines Programms.
Comic-Wettbewerb
Ein weiterer Fokus der Podcastfolge liegt auf der Förderung junger Talente: dem Basler Comic-Wettbewerb, der gemeinsam von der Fantasy Basel – The Swiss Comic Con, dem Cartoonmuseum Basel – Zentrum für narrative Kunst, der Christoph Merian Stiftung und Basel Tourismus getragen wird. Im Zentrum steht das Thema «Freundschaft – Friendship – Amicizia – Amitié».
Der Wettbewerb stiess auf grosses internationales Interesse: Innerhalb eines Monats wurden 325 gezeichnete Kurzgeschichten aus 36 Ländern eingereicht.
«Es sind ganz unterschiedliche Stile eingegangen, [...] sehr rührende, poetische und kritische Geschichten.» Anette Gehrig
Die 20 ausgewählten Werke werden im Mai 2026 sowohl im Rahmen der Fantasy Basel in einer vom Cartoonmuseum Basel konzipierten Ausstellung als auch im öffentlichen Raum als Fahnen auf der Mittleren Rheinbrücke in Basel präsentiert.
Basel Culture Drop
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